Buchen Reisende durch COVID-19 regionaler?

Jürgen Schmude, Professor für Tourismuswirtschaft an der Universität München, beschäftigt sich in diesen Tagen vor allem mit der Frage, wie sich unser Reiseverhalten durch COVID-19 verändert.

Seiner Vermutung nach werden sich die Reiseziele der Deutschen verändern. Durch das Wegfallen von Fernzielen rücken zuküftig Ziele in Europa und innerhalb Deutschlands verstärkt in den Mittelpunkt. Dies liegt unter anderem daran, dass Orte die in der Nähe der Heimat liegen, schneller wieder ein gutes und sicheres Gefühl beim Reiseantritt vermitteln und Reisende generell eine gesteigerte Wertschätzung von lokalen Produkten zeigen und ihrer Heimat verdundener sind.

Im heutigen Beitrag wollen wir diese Behauptung überprüfen: Buchen Gäste 2020 regionaler als 2019? Wir vergleichen hierzu die Herkunft von Gästen, welche seit dem Tag der Ausgangsbeschränkung bis ca. Mitte April gebucht haben mit demselben Zeitraum des Vorjahres.

Beipiel: für die deutsche Hotellerie vergleichen wir die Herkunft aller Gäste, welche zwischen dem 11. März 2020 und und dem 15. April 2020 gebucht haben, mit jenen, die zwischen dem 13. März 2019 (selber Wochentag) und dem 17. April 2019 gebucht haben.

Heimaturlaubsstimmung in Deutschland

Vergleich 2019 und 2020 Reservierungen in Deutschland nach Herkunft

Ganz klar bestätigen können wir die Behauptung in Deutschland. Deutsche Hotels werden 2020 prozentual wesentlich häufiger gebucht als 2019, es herrscht Heimaturlaubsstimmung in Deutschland! Waren einheimische Gäste 2019 von für 52 % aller Buchungen verantwortlich, machen sie heute 71 % des Buchungsvolumens aus.

Nicht verwunderlich ist es, dass aufgrund der politischen und gesundheitlichen Lage Buchungen aus Österreich derzeit ausbleiben. Wie hat sich aber das Buchungsverhalten der Österreicher in Bezug auf das eigene Land verändert?

Das Reservierungsverhalten für Österreich

Vergleich 2019 und 2020 Reservierungen in Österreich nach Herkunft

Auch in Österreich sehen wir einen prozentualen Anstieg der Buchungen aus dem eigenen Land. Waren es 2019 noch 20 % aller Reservierungen, so sind es 2020 29 % der Buchungen die aus Österreich kommen. Die Betrachtung für Österreicht wirkt wie ein Spiegel zu Deutschland – Buchungen aus dem Nachbarland sind prozentual am stärksten zurück gegangen.

Spannend zu sehen ist, dass Reserverierungen aus anderen Ländern, um 17 % zugelegt haben. Corona macht den ausländischen Österreich-Urlauber internationaler.

Südtirol mit weniger italienischen Gästen

Vergleich 2019 und 2020 Reservierungen in Südtirol (Italien) nach Herkunft

Anders als Deutschland und Österreich, ersetzen in Südtirol Buchungen aus dem Inland (hier: Italien) nicht den Rückgang aus den Nachbarländern. Der Anteil der italienischen Gästen in Südtirol ist proportional sogar gesunken.

Italienische Reisende buchen bislang für 2020 nicht nur weniger häufig fürs Ausland, sondern buchen generell weniger Urlaub. Ob dieses verhaltende Buchungsverhalten sich ändert, sobald die Ausgangs- und Reisebeschränkungen aufgehoben werden, bleibt abzuwarten.

Wir empfehlen: Setzen Sie weiterhin auf die Schönheit Ihrer Region, auch wenn derzeit vermindert Buchungen und Anfragen eingehen. Zeigen Sie nicht nur Fremden, wie schön Ihre Heimat ist, sondern „schüren“ Sie Heimatliebe.

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