Anfragen & Buchungen im Umschwung

In den vergangenen Wochen haben wir uns mehrmals genauer angesehen, wie sich Buchungsvorlauf und Auslastung entwickeln und von verschiedenen Ereignissen beeinflusst werden.

Diese Woche wollen wir untersuchen, wie nah an der Normalität des Jahres 2019 wir mittlerweile wieder sind. Wir schauen uns hierfür den Vorlauf (Tage zwischen Anfrage- bzw. Buchungstag und Check-In-Tag) für Anfragen und Buchungen an. Die Anfragen und Buchungen sind von den Monaten März, April und Mai 2020. Wir vergleichen diese untereinander und mit dem Jahr 2019.

Oftmals gilt: Je länger Vorläufe sind, desto verunsicherter sind Gäste. Je ähnlicher 2019 und 2020 sich sind, desto weiter ist die Normalisierung bereits voran geschritten.

Süddeutschland: Gäste haben Angst keinen Platz für den Sommerurlaub zu ergattern

Anfragen Süddeutschland März bis Mai 2020
Buchungen Süddeutschland März bis Mai 2020

Was ist in der Grafik zu sehen? Die Grafik zeigt, wie viele Tage vor der geplanten Anreise im Durchschnitt angefragt, bzw. gebucht wurde. Zum Beispiel wurden Anfragen im Mai 2020 im Schnitt 63 Tage im Voraus getätigt, Buchungen 91 Tage im Voraus.

Gäste süddeutscher Hotels waren im April 2020 noch stark verunsichert und haben im Schnitt 117 Tage vor der geplanten Anreise angefragt, wesentlich länger als noch im April 2019. Mittlerweile ist diese Verunsicherung nicht nur wieder weg, sie hat sich sogar umgedreht: Am Anfragevorlauf (und an der Zahl der Anfragen) sehen wir, dass Gäste süddeutscher Hotels gar Sorge haben im Sommer kein Zimmer mehr zu bekommen. Im Mai 2020 wurde kurzfristiger angefragt als im Mai 2019!

Die meisten Urlaubsbuchungen im Mai 2019 kamen für Juli und August (57 Tage Vorlauf). Auch wenn im Mai 2020 bereits eine große Entspannung (von 131 Tagen Vorlauf im April auf 91 Tage im Mai) ersichtlich ist, bleiben Reisende weiterhin vorsichtig. Sie buchen für Termine die im Durchschnitt 91 Tage in der Zukunft liegen, sprich für den August und September. 2019 waren es nur 57 Tage im Voraus.

Österreich: Gäste buchen wieder wie 2019

Anfragen Österreich März bis Mai 2020
Buchungen Österreich März bis Mai 2020

Für Anfragen aus dem Mai 2020 zeigt Österreich ein ähnliches Bild, wie Deutschland: Reisende fragen deutlich kurzfristiger an, als im Jahr zuvor. Im Durchschnitt 93 Tage vor Anreise. Weil der Anfragevorlauf in Österreich generell höher ist, als in Deutschland, war der Unsicherheitseffekt in der Alpenrepublik im April weniger deutlich zu beobachten.

Im Gegensatz zu Deutschland hat sich das Buchungsverhalten der Gäste österreichischer Hotels wieder normalisiert. Waren März und insbesondere April noch von großer Buchungsunsicherheit (= sehr langer Vorlauf) gekennzeichnet, buchen Gäste im Mai wieder wie im Vorjahr.

Die meisten Buchungen sind für eine Anreise in ca. 3 Monaten, d.h. August und September. Zumindest für den zweiten Teil des Sommers darf die österreichische Hotellerie mit einer guten Auslastung rechnen.

Südtirol: Die Sommersaison verschiebt sich nach hinten

Anfragen Südtirol März bis Mai 2020
Buchungen Südtirol März bis Mai 2020

Vor allem die Südtiroler Hotellerie hat immer noch stark unter den Folgen der Pandemie zu leiden. Aber auch hier gibt es gute Nachrichten!

Während im März und insbesondere April 2020 die von COVID-19 ausgelöste Unsicherheit noch sehr deutlich zu sehen war, geht diese mittlerweile zwar langsam, aber bestimmt zurück.

Die Vorlaufzeit, sowohl für Anfragen (Mai 2020 85 Tage; 2019 63 Tage), als auch für Buchungen (Mai 2020 110 Tage; 2019 63 Tage) sinkt zwar, ist aber historisch betrachtet noch immer länger. Dies hat unter anderem eine verspätete Saison zur Folge: Der Großteil der aktuellen Buchungen ist für den (frühen) Herbst 2020.